Making Of: METAL MIRROR #58
Werbeblock: Vorgestern ist mit einwöchiger Verspätung die neue Ausgabe von METAL MIRROR erschienen. Nachfolgend ein Blick hinter die Kulissen.
Iced Earth sind die vierte Band, die es zum zweiten Mal auf den Titel einer Ausgabe von METAL MIRROR geschafft hat. Vor ihnen haben das nur Moonsorrow (#1, #17), Gorgoroth (#12; #25) und Destruction (#4, #33) geschafft. Das erste Mal waren Iced Earth im Sommer 2008 (Ausgabe #20) auf unserem Cover. Und auch damals war es Jenny Bombeck, die sich mit Feuereifer ins Interview-Gefecht stürzte und mit Charakterkopf Jon Schaffer telefonierte. Der große Unterschied: Damals sah man Matt Barlow auf dem Cover der neuen Ausgabe. Diesmal Bandchef Jon Schaffer, allerdings schon fast in den Hintergrund gedrängt von einem Typen, der einem im ersten Moment so gar nichts sagen will und eher mit leicht fettig wirkenden Haaren als mit charismatischer Ausstrahlung glänzt. Darf ich vorstellen? Dieser Typ ist Stu Block, neuer Sänger von Iced Earth und Nachfolger des einzigartigen Matt Barlow. Die große Überraschung, wie sich spätestens im Kreuzfeuer auf Seite 42 zeigt: Diesmal klappt das scheinbar. Das mag vor allem daran liegen, dass die Band diesmal keinen harten Schnitt vollzieht, wie es bei dem Wechsel Barlow-Ripper der Fall war. Stu singt absolut fantastisch, beweist eigenen Charakter und klingt dennoch nicht so viel anders als Barlow. Uns erschien das Vorstellen des neuen Sängers eine würdige Titelstory zu sein. Erst recht, wenn man bedenkt, dass unsere Power-Metal-Fraktion, allen voran unsere Metal-Damen Miriam Görge und Jenny Bombeck, hin und weg von "Dystopia" sind.
Ganz und gar nicht gefiel Miri hingegen die neue Absu-Platte. Bereits zum vierten Mal in Folge gipfelte eine unserer nächtlichen ICQ-Diskussionen über das Für und Wider von lahmen Bands wie Brainstorm (sorry, Jungs!) im Gegensatz zu Knallerbands wie Absu in einem ihrer berüchtigten O-Töne. Vielleicht sollten wir die Kategorie in "Quatsch mit Miri" umbenennen?
David versuchte im Vorfeld übrigens wieder einmal die Notengebung zu beeinflussen und drohte all jenen Gewalt an, die Absu eine schlechte Note verpassen würden. Unsere beiden Kreuzfeuer-Damen zeigten sich davon jedoch unbeeindruckt. Da muss David wohl noch mehr pumpen gehen.
Schade ist derweil, dass das geplante Absu-Interview von David mit Absus Proscriptor noch nicht zustande kam. Wir hoffen, das in der nächsten Ausgabe nachliefern zu können. Gleiches gilt für Opeth und Machine Head, bei denen wir ebenfalls noch dran sind, uns Interviewtermine zu organisieren.
Allerdings mindert das nicht die Qualität der neuen Ausgabe, die keinesfalls so übermäßig Power-Metal-lastig ausfällt, wie man es zu Beginn vielleicht denken könnte. Wir starten zwar mit besagter Iced-Earth-Titeltory und den schwäbischen (Nicht-)Cover-Girls, gemeint sind Brainstorm, wären aber nicht der METAL MIRROR, wenn wir nicht noch eine ganze Menge Interviews und Artikel anderer Richtungen dabei hätten. Mehr denn je sogar, möchte ich fast sagen. Es ist schon fast ironisch, dass wir in einem Monat, in dem die Ausgabe wegen Stress und Zeitmangel um eine Woche verschoben werden musste, eine der abwechslungsreichsten Ausgaben der vergangenen Monate zusammengeschustert bekommen haben. Wir sind wieder einmal unserer Maxime treu geblieben: Wir wollen für die ungewöhnlichen Geschichten im Metal-Journalismus sorgen. Neben Bands und deren Alben sowie Line-Up-Wechseln gibt es deswegen diesmal sowohl Comedy als auch Wissenschaft. Ja, richtig gehört: Comedy und Wissenschaft. Und trotzdem ist's Heavy Metal!

Cover des Bandes "Metal Matters"
Zum einen wurde mir vor anderthalb Monaten der "Metal Matters"-Band zugeschickt. Der Band ist als Konsequenz einer im vergangenen Jahr stattgefundenen Tagung in Braunschweig entstanden. Dort wurde Heavy Metal hinsichtlich verschiedenster wissenschaftlicher Aspekte untersucht. Bereits damals veröffentlichten wir ein Interview mit Dr. Rolf Nohr, dem Initiator der Tagung. Dass wir da auch einen Artikel über den Tagungsband veröffentlichen würden, war Ehrensache. Wissenschaft liegt mir ja. Immerhin ist sie der Grund, warum die Ausgabe sich eine Woche verzögerte. Lustigerweise sollte ich vergangenes Jahr zuerst selbst ein Paper für die Tagung einreichen. Eine meiner Professorinnen empfahl mich damals einem anderen Professor, wir überlegten uns ein cooles Thema, aber letztlich kamen mir terminliche Schwierigkeiten dazwischen. Immerhin hat es dazu gereicht, dass der METAL MIRROR im Literaturverzeichnis eines Beitrags erscheint, in dem es unter anderem um die Selbstdarstellung von Black-Metallern geht. Konkret wird sich dabei auf ein Interview berufen, das wir in Ausgabe #38 mit Fenriz von Darkthrone geführt haben. Wen es interessiert: Der Beitrag trägt den Titel "Wir fordern das Unmögliche. Zur Formulierung und Funktion anti-moderner Topoi in einigen Metal-Subgenres" und wurde von Jan Leichsenring geschrieben. Danke fürs Lesen, Jan.
So viel zur Wissenschaft. Nun zur Comedy: Bülent Ceylan trat in diesem Jahr als erster Komiker, oder wie er es bezeichnet: professioneller Depp, auf dem Wacken Open Air auf. Nun, professionelle Deppen habe ich auf der Wacken-Bühne schon einige gesehen. Wirkliche Comedians jedoch noch nicht. Das schrie also förmlich nach einem Interview im METAL MIRROR. Und obwohl Bülent mittlerweile kleine Arenen füllt und zu den aufstrebendsten Comedians Deutschlands gehört, verlief die Kontaktaufnahme ziemlich unproblematisch. Ich rief bei seiner Agentin an, erwischte den Anrufbeantworter, quatschte drauf, die Agentin rief zurück, erwischte den Anrufbeantworter, quatschte drauf. Wir machten einen Termin aus, an dem ich Bülent anrufen sollte und schon war die Sache im Kasten. Im Vorfeld wurde mir noch per E-Mail mitgeteilt, ich solle bitte keine Fragen zu seinem Privatleben stellen.
Ich liebe diesen PR-Agenten-Schutzinstinkt, quasi den natürlichen Feind der Pressefreiheit. Normalerweise setze ich mich über solche Vorgaben nämlich gerne hinweg. Wenn jemand über ein Thema nicht reden möchte, kann er es ja schließlich auch selbst sagen, wenn ich nachfrage. Dafür braucht es keinen Wachhund, der unerwünschten Fragen schon vorher einen Riegel vorschiebt. In dem Fall war mir das aber egal. Denn Bülents Privatleben interessiert mich ohnehin nur bis zu seinem Musikgeschmack. Also unterhielten wir uns über Musik und das Wacken. War ganz nett. Auch für Bülent. Der war am Ende ganz euphorisiert, dass er als erster Comedian im METAL MIRROR vertreten sein würde und versprach mir gleich einen Batzen Freikarten für eine seiner Shows auf der kommenden Tour. Dabei ist Comedy im Stile von Ceylan und Co. eigentlich gar nicht so sehr mein Ding. Ich stehe eher auf die etwas sozialkritischeren Kabarettisten, wie Hagen Rether, Wilfried Schmickler und Dieter Nuhr. Oder eben auf Tsjuder, die ich eine Seite später interviewt habe. Zu denen brauche ich aber keine weiteren Worte verlieren. Das steht bereits alles hier.

Pressefoto von Tsjuder
Nach einem Monat Zwangspause haben wir außerdem beschlossen, unserer Artikelserie "Mein bestes Stück" eine weitere Chance zu geben. Die Idee ist schlichtweg zu gut, als dass man die Serie einfach sterben lassen sollte. Wir werden in Zukunft noch intensiver nach Kandidaten für diese Serie suchen. Wird schon. Skeptisch war ich jedoch durchaus, als Elvis mir per E-Mail mitteilte, dass er jemanden für die Serie hätte. Zugleich aber auch dankbar, denn zu dem Zeitpunkt befand ich mich auf dem Stress-Höhepunkt meiner Masterarbeit und war für jede weitere gefüllte Seite froh. Dennoch: Sollte man die Serie tatsächlich wiederbeleben, nachdem man sie erst im vergangenen Monat vorerst auf Eis gelegt hatte? Als ich allerdings die diesmalige Geschichte hörte, wichen alle Zweifel. Die Anekdote ist einfach zu cool, um sie nicht zu veröffentlichten.
Aufmerksame Leser der Artikelserie werden den Protagonisten des aktuellen Artikels wiedererkennen. Markus war auch der erste Kandidat der Serie. Damals erzählte er von einem der ersten Slayer-Konzert in Deutschland. Diese Story hat er diesmal getoppt. Zumindest in meinen Augen. Wer sonst besitzt bitte eine der nie veröffentlichten ersten Motörhead-Singles und hat diese obendrein von Lemmy signieren lassen? Wenn Markus noch mehr solcher Anekdoten auf Lager hat, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, die Serie in "Markus Plauderkiste" (oder irgendwas Vergleichbares, was sich unser hauptberuflicher Werbetexter Elvis dann ausdenken dürfte) umzubenennen.
Elvis war es auch, der unserer zweiten Artikelserie den Titel "Debütastisch!" gab. Diesmal gibt es im Rahmen der Serie ein Interview mit den sehr coolen Skull Fist aus Kanada. Diese Serie mit Interviews zu befüllen, ist deswegen so schön, weil man meist mit Musikern spricht, die noch nicht so sonderlich viele Interviews geführt haben und deswegen umso motivierter und glücklicher über die Gelegenheit sind, dass sie sich mit jemandem über die eigene Musik unterhalten können und daraus später ein Artikel entsteht. So auch in diesem Fall. Jackie Slaughter unterhielt sich eine gefühlte Ewigkeit mit mir. Am Ende schaltete ich das Aufnahmegerät und den Telefonlautsprecher aus und setzte mich gemütlich auf meine Couch. Wir quatschten einfach nur so über Musik, Alkohol und den Anvil-Film. Sehr erfrischend. Und lesenswert obendrein. Findet übrigens auch Jackie selbst, der mir erst vor wenigen Stunden per E-Mail schrieb, dass er das absolut "rad!" finde und zum Glück schon ein "Chick" an der Angel hätte, die ihm den deutschen Text übersetzen könne.

Pressefoto von Skull Fist. Jackie Slaughter ist unten rechts im Bild.
Anfang 2012 wird die Band im Rahmen einer sehr coolen Tour wieder in Deutschland sein. Wir haben am Telefon bereits beschlossen, dass wir im METAL MIRROR dann eine coole Backstage-Story mit Skull Fist machen werden. Ich bin sehr gespannt, ob es dazu kommen wird. Könnte lustig sein. Pussys und Wodka, oder wie war das noch?

An Autumn For Crippled Children - Everything
Glaubt man unserem Kreuzfeuer, so kommt dieser Tage mehr gute Musik denn je heraus. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele 9-Punkte-Wertungen in einem Kreuzfeuer gesehen habe. Selbst bis hinab in die unteren Riegen wurde diesen Monat gerne mal eine Note nah am Höchstwert gezückt. Miri konnte es nicht fassen, dass außer ihr keiner der neuen Brainstorm-Platte 9 Punkte gegeben hat (und diese damit mit einem immer noch akzeptablen Schnitt auf dem letzten Platz landete) und schrieb eine pikierte "Wie scheiße seid ihr denn bitte alle?!"-Mail in die Kreuzfeuerrunde.
Dass An Autumn For Crippled Children das Kreuzfeuer gewonnen haben, hat mich jedenfalls positiv überrascht. Ich hatte die Band absichtlich ausgesucht, nachdem mich schon ihr Debüt umgehauen hatte und "Everything" ebenfalls einen grandiosen Ersteindruck machte. Die zweite Überraschung für mich: das neue Opeth-Album. Erst kürzlich habe ich in diesem Blog an anderer Stelle gestanden, dass ich Opeth' Musik nicht leiden kann. Das ändert sich mit "Heritage". Das Album präsentiert absolut tollen Prog-Psychedelic-70er-Rock.
Entgegen der allgemeinen Jubelschreie (unter anderem Album des Monats im RockHard #292) konnten Arch/Matheos uns fünf Kreuzfeuer-Schützen nicht wirklich begeistern. Auf Facebook kommentierte das ex-Erazor-Sänger und Fates-Warning-Fanatist Benedikt mit den Worten "Habt ihr gar keinen Progger in der Redaktion?" Ich weiß nicht, ob er Recht hat. Eigentlich wäre solche Musik vor allem was für Miri, aber ihr Kreuzfeuer-Kommentar zu dem Album geht in eine sehr ähnliche Richtung, in die auch meine Empfindung geht: Die nicht ganz so hohe Bewertung tut einem irgendwie leid. Aber nur weil eine Platte technisch gesehen absolut brillant ist, heißt das noch lange nicht, dass sie auch Spaß macht. Und letztlich geht es doch nur darum: Spaß beim Hören. Immerhin zeigt sich auch Benedikt halbwegs versöhnlich: "Okay, die ARCH-Kritiken sind so formuliert, dass ich damit leben kann. Auch wenn es schon hart ist, dass so ein unbegreiflicher Dreck wie die neue ANTHRAX besser abgeschnitten hat, aber ich hab Euch trotzdem lieb."
Puh, nochmal Glück gehabt.
Hinweis: Ansonsten bietet die Ausgabe noch Interviews mit The Answer, Vader, Tombs, Skeletonwitch, The Rotted und vieles, vieles mehr. Hier geht es zur detaillierten Inhaltsseite.
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