Dorian Gorr – Blog über Musikjournalismus und Co.
18Feb/121

Dave Mustaine und die Homoehe

Megadeth

Dave Mustaine (zweiter von links) ist mal wieder in Höchstform. Foto: Roadrunner Records/Megadeth

Diesmal hat er sich mal wieder selbst übertroffen, der gute Dave. Seitdem Dave Mustaine wiedergeborener Christ ist, dreht der Megadeth-Chef und ex-Metallica-Gitarrist zunehmend am Rad. Erst drohte er an, keine Auftritte auf Festivals zu spielen, auf denen auch antichristliche Bands auftreten. Jetzt äußerte er sich in einer Radio-Talkshow zum Thema Homoehe und - ganz im Sinne seiner Auslegung des Christentums - fand natürlich, dass das so gar keine dufte Idee ist. Im Wortlaut liest sich der Dialog wie folgt:

Do you support gay marriage?

I'm very conservative. So, take it for what it's worth.

Washington State, just this week, the governor signed gay marriage into law. Do you support gay marriage, or is that something you oppose?

Well, since I'm not gay, the answer to that would be no.

OK. What about for people who are gay?

Since I'm not gay, the answer to that would be no.

Would you support legislation to make marriage between a man and another man legal?

I'm Christian. The answer to that would be no.

Und das aus dem Mund eines Musikers, der einst als einer der wichtigsten Köpfe einer Szene galt, die dem Grundgedanken nach eigentlich liberal, rebellisch und alles andere als konservativ sein sollte. Doch - und das ist das Traurige an der heutigen Szene - mit seiner Anti-Homosexuellen-Einstellung (oder deutlicher gesprochen: Anti-Schwulen-Einstellung) steht Mustaine gar nicht mal so alleine im Heavy-Metal-Sektor dar. Nein, keine Sorge, ich werde jetzt bestimmt nicht so dumm und oberflächlich sein und der gesamten Metal-Szene unterstellen, dass sie schwulenfeindlich ist, aber weite Teile sind es zumindest latent. Selbst wenn es ihnen teils nicht bewusst ist.

Der Metal-Szene haftet ein Macho-Image an. Starke Männer machen lauten Krach. In diesem Szenario scheint in den Gedanken vieler kein Platz für Schwule zu sein. Dass - oh, diese Ironie - einer der bedeutendsten Metal-Sänger aller Zeiten schwul ist, scheint da erst einmal nebensächlich zu sein. Der Aufschrei ist trotz allem immer noch groß, wenn sich dann doch mal ein Musiker outet. Das jüngste Beispiel ist nur wenige Jahre her. Es war auf dem Wacken Open Air 2008, da ging über den Pressezeltplatz bereits das "skandalöse Gerücht" umher, dass Gaahl, Sänger und Frontfinsterling der Black-Metaller God Seed (damals noch Gorgoroth), schwul und mit seinem Liebhaber nach Wacken gereist sei. In Black-Metal-Kreisen rief das damals wahre Hasstiraden hervor. In den Online-Foren wurde über "die Schwuchtel von Gorgoroth" geflucht, geschimpft, gehetzt. Und nicht nur dort: Kurze Zeit später interviewte ich den Schlagzeuger einer deutschen Black-Metal-Band (den Namen der Truppe lasse ich jetzt einfach mal unter den Tisch fallen), der von sich aus das Thema aufgriff, Gaahl als "widerlich" und "eklig" einstufte und mir anschließend noch in einer fortgeführten E-Mail-Diskussion mitteilte, dass er sich schäme, wenn man diesen Sänger noch immer mit der Black-Metal-Szene assoziieren würde. Gaahls Outing würde der Szene nur schaden.

Plötzlich sind sich Antichristen und christliche Fundamentalisten gar nicht so unähnlich. Oh, diese Ironie...

Das mag ein Einzelfall sein? Von wegen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich schon Interviews geführt habe, in denen der Musiker das Adjektiv "schwul" als Synonym für schlecht oder scheiße verwendete. Wahrscheinlich denken sich diese Leute nichts dabei. Wahrscheinlich würden sie sich nicht einmal offen als schwulenfeindlich bezeichnen. Aber es ist diese latente Einstellung, diese grundsätzliche Stimmung gegenüber Schwulen, die in dieser Szene herrscht und dafür sorgt, dass sich kaum einer outet. Ich persönlich kenne beispielsweise nicht einen einzigen schwulen Metal-Fan. Und wenn man bedenkt, wie viele Leute ich seit Jahren in dieser Szene auf Konzerten, Festivals und Partys kennenlerne, dann widerspricht das doch jeder statistischen Logik.

Warum schreibe ich jetzt die ganze Zeit von Schwulen und nicht von Homosexuellen? Die Antwort ist simpel: Lesben, zumindest das, was der gemeine Metaller für eine Lesbe hält, sind in der Szene gerne gesehen und dienen als Projektionsfläche für - vornehm ausgedrückt - erotische Fantasien. Ob knutschend vor der Bühne mit einer Horde Lechzender um sich herum oder fummelnd und tanzend auf der Bühne, während einer Manowar- oder Mötley-Crüe-Show - zwei Frauen gelten als erotisch, ästhetisch, sexy. Sieht ja auch nett aus, keine Frage. Aber hat einer von euch schon einmal zwei knutschende Männer vor der Bühne auf dem Wacken Open Air gesehen? Ich nicht. Und ich fahre da seit bald zehn Jahren hin. Mich macht das traurig. Nicht weil ich mir gerne knutschende Männer angucken würde, sondern weil mich diese Doppelmoral ankotzt.

Für mich verkörpert diese Musik Freiheit, von mir aus auch Auflehnung. Lange Haare galten einst als Symbol dafür, dass man sich dem verbohrten Spießertum verwehrt, liberal ist und die konservativen Werte ablehnt, zumindest aber in Frage stellt. Und wo befinden wir uns heute? Heute geht ein einstiger Vollzeittrinker, ex-Rebell und musikalisches Genie in eine Talkshow und schließt sich den hirnverbrannten Ideen derer an, gegen die er einst mit zerrissener Jeans und schmuddeliger Lederjacke protestierte. Traurige Zeiten.

Was die Homoehe angeht, habe ich übrigens eine ganz klare Meinung: Jeder hat das Recht, sein eigenes Leben zunichte zu machen. Warum sollten sich Homosexuelle nicht in das gleiche Unglück wie alle anderen Verliebten stürzen dürfen?

25Jan/122

Rein und wieder raus aus dem Dschungel: Martin Kesici hat nichts dazugelernt

Martin Kesicis Profilbild auf der Webseite vom Dschungel-Camp. (c) www.dschungel-camp.de

Martin Kesicis Profilbild auf der Webseite vom Dschungel-Camp. (c) www.dschungel-camp.de

Eine Plage hat Deutschland befallen. Und ich bin erneut darüber erschüttert, wie weit sie um sich gegriffen hat. Da lassen sich ein paar angeblich prominente, weitgehend talentlose, von Selbstrespekt befreite Nichtsnutze in einen australischen Dschungel karren und ganz Deutschland schaut zu und geilt sich an den Ekelprüfungen auf, die diese Leute durchzustehen haben, um noch einmal in die entfernte Reichweite ihres einstigen Ruhmes zu gelangen. Noch einmal das Gefühl haben, jemand zu sein. Selbst wenn man dafür im Dschungel Scheiße fressen muss.

Was mich noch viel mehr schockiert als der Mangel an Selbstwertgefühl, unter dem die Kandidaten offensichtlich leiden, ist die gesellschaftliche Akzeptanz dieses medialen Drecks. Es gibt Leute, von denen erwarte ich es, dass sie sich diesen Schrott angucken. Das ist der Typ Mensch, der mich zu meiner Schulzeit auslachte, wenn ich morgens vor Unterrichtsbeginn nichts zu der Diskussion, was denn gestern im Big-Brother-Container lief, beizusteuern hatte. Von diesen Leuten erwarte ich nichts anderes, als dass sie ihr höchstwahrscheinlich stinklangweiliges, eindimensionales Leben dadurch aufpeppeln müssen, indem sie traurigen Existenzen bei der Selbsterniedrigung zuschauen. Bis hierhin schockiert mich das nicht. Ich habe schon vor Jahren aufgehört, schockiert (oder überhaupt noch überrascht) zu sein, wenn wieder ein neues "Ekelformat" die Bildschirme der Republik erobert.

Was mich aber schockiert, ist die Überpräsenz dieses Formats. Man hat eigentlich gar keine andere Möglichkeit, als darüber informiert zu werden, wer im Dschungel gerade angesagt und wer schon wieder draußen ist. Zumindest nicht, wenn man ein Leben führt, in dem die Medien einen halbwegs wichtigen Part spielen.

Morgens fahre ich mit der U-Bahn zur Arbeit. Vier Stationen. Mehr nicht. Das sind geschätzt 6 Minuten Fahrtzeit, in denen ich nicht darum herumkomme, zu erfahren, was ex-Fußballprofi Ailton zum Favoriten der Dschungel-Zuschauerschaft macht. Bin ich ja auch selbst schuld. Ich hatte unabsichtlich auf einen Monitor des in Hannovers U-Bahnen präsenten Fahrgastfernsehens geschaut, weil da eben noch die Wetteraussichten für die kommenden Tage standen.

Sobald ich an einem Computer angekommen bin, geht es weiter. GMX-Mails aufrufen, ohne dass fett oben auf der Startseite ein Bild von irgendeiner entsetzt dreinblickenden Blondine mit jeder Menge Krabbelviecher im Gesicht prangt? Absolut undenkbar. Und damit nicht genug. Auch Spiegel Online hält es für eine Notwendigkeit, mich täglich darüber zu informieren, wen ihr Autor zum Dschungelkönig des Tages ernennt. Im Kulturteil (ja verdammt, im KULTURteil) glotzt mich dann die Visage von Dirk Bach an, der dieses Aufgeilen am Leid anderer auch noch als Quasi-Resozialisierung für ex-Stars verteidigt. Widerlich! Und dabei will ich von diesem Mist doch eigentlich gar nichts mitbekommen. Aber keine Chance: Ganz passiv, teils nur durch versehentlich gelesene Schlagzeilen, erlange ich Wissen darüber, wie es bei der aktuellen Staffel läuft. Die einzige Chance, diesen ganzen Schund komplett auszublenden, wäre ein selbstauferlegter medialer Blackout. Nur wer kann sich das schon erlauben, wenn er im Medienbereich arbeitet?

Aber vermutlich würde nicht einmal das funktionieren, denn die Plage hat längst meinen erweiterten Bekanntenkreis befallen. Vereinzelt habe ich das Gefühl, geschätzte Mitmenschen nicht wiederzuerkennen. Da reden angehende Akademiker davon, dass man so etwas ja durchaus mal am Abend einschalten könnte, wenn man "einfach mal abschalten" wollen würde. Selten habe ich mich diesen Menschen so fremd gefühlt.

Fremd fühle ich mich auch den Kandidaten. Das mag daran liegen, dass ich nach einem eben getätigten Blick auf die Kandidatenliste bis auf drei Personen niemanden kenne. Brigitte Nielsen kenne ich, weil sie eine recht markante Nebenrolle in der ewig coolen Action-Komöde "Beverly Hills Cop II" spielte. Ailton, weil der zuletzt für den damaligen Sechstliga-Fußballverein meiner Heimatstadt Krefeld aufgelaufen ist. Und dann ist da Martin Kesici, ein Typ, der es eigentlich besser wissen müsste. Zumindest hat er das mal behauptet.

Die Geschichte des Martin Kesici ist eigentlich eine traurige. Und früher habe ich ihn sogar in Schutz genommen. Alles begann für den Heavy-Metal-Fan bei irgendeiner dieser unsäglichen Casting-Shows (meine Recherche ergibt: Sie hieß "Star Search"). Dort konnte er sich mit seinem Ziegenbart und der langen Mähne perfekt als Metal-Bad-Boy mit weichem Kern inszenieren, der die mir mittlerweile fast unerträglich gewordene Weichspüler-Nummer "Nothing Else Matters" zum Besten gab.

Als sich andeutete, dass es das schnelllebige Pop-Universum wohl kaum auf Dauer gut mit dem ehemaligen Bauarbeiter meinen würde, versuchte Kesici umzusatteln. Nur zwei Jahre später sah ich ihn als Überraschungsgast auf einem überaus verregneten Wacken Open Air 2005. Die Reaktionen auf seine Hard-Rock-Einlage fielen - vornehm ausgedrückt - bescheiden aus. In den ersten Reihen standen etliche Metal-Fans, die Kesici unverblümt den Mittelfinger zeigten, als sie erkannten, wer da vor ihnen den Rocker mimte.

Doch Kesici stand seinen Mann, kämpfte sich durch seine paar Songs, die er mitgebracht hatte (diese grässliche Pophymne hatte er damals geschickterweise zuhause gelassen) und ließ sich von den Stinkefingern weder den Mut, noch die Stimme rauben. Das fand ich damals doch recht respektabel. Die Songs waren zwar allesamt stinklangweilig, aber zu dem Zeitpunkt glaubte ich ihm, wenn er in Interviews offen über seine Popvergangenheit meckerte und betonte, dass er sich nur wünscht, dass man ihn als jemanden wahrnimmt, der Metal und Rock wirklich liebt. Ich vergab ihm. Jeder macht Fehler. Warum sollte ein gescholtener Popstar nicht wieder den Weg zurück zu einer ehrlicheren Musikrichtung finden dürfen? Die Art und Weise, wie er mit seiner Castingshow-Teilnahme umging, schien glaubwürdig. Als ich im vergangenen Jahr von der Plattenfirma SPV die Nachricht erhielt, man habe Martin Kesici unter Vertrag genommen, war ich mir endgültig sicher: der Typ meint es ernst. Der sucht den Anschluss an die Heavy-Metal-Szene, koste es was es wolle.

Mittlerweile glaube ich das nicht mehr. Stattdessen glaube ich, dass Kesici ein Opportunist ist, der sich an jede Gelegenheit klammern wird, die ihn in irgendeiner Art und Weise im Rampenlicht hält. Eine andere Interpretation lässt seine Dschungelcamp-Teilnahme in meinen Augen nicht zu. Zeitgleich inszeniert er sich jedoch als bodenständiger Typ, der notfalls auch wieder auf'm Bau arbeiten würde - eine geschickte Masche, die das RTL-Publikum mit Sicherheit gerne glaubt. Aber nicht die musikalische Szene, der er sich angeblich so verbunden fühlt und von der er als Künstler akzeptiert werden möchte. Für die wird sich das Thema Martin Kesici als Metal-Rock-Musiker endgültig erledigt haben.

Beim nächsten Überraschungsauftritt auf dem Wacken Open Air könnte ich den Leuten in der ersten Reihe nicht einmal die vielen Stinkefinger übel nehmen.

 


Hinweis: Ja, ich weiß, dass Kesici freiwillig kurz nach Staffelstart wieder draußen ist (vielen Dank, liebes Fahrgastfernsehen...). Das ändert an seiner grundsätzlichen Bereitschaft, bei diesem Blödsinn mitzumachen, aber herzlich wenig. Ich bin nur gespannt, ob er abermals versuchen wird, sich nun als geläuterter Anti-Mainstream-Typ zu präsentieren, der tief im Herzen eigentlich doch so'n richtiger Metal-Rocker ist.

13Okt/111

Ein Nachruf auf Aleyna. Oder: Wovon soll ich mich bitte ab jetzt ernähren?

Schnellrestaurant Aleyna in Hannover

Schnellrestaurant Aleyna in Hannover

Vergangenen Freitag habe ich beinahe geweint. Ja, wirklich. Der Grund mag manch einem banal erscheinen. Mich hat er jedoch bis ins Mark getroffen: Aleyna hat geschlossen.

Aleyna war mein Lieblingsdönerladen, gelegen an der Ecke Marienstraße/Berliner Allee in Hannover. An jenem Freitag hüpfte ich beschwingt und voller Vorfreude die Treppenstufen der Haltestelle Marienstraße hoch und starrte plötzlich auf heruntergelassene Jalousien und ein Pappschild im Fenster, auf dem stand, dass der Laden aus privaten Gründen aufgegeben wird. Ein unfassbarer Verlust. "Such dir doch einfach eine neue Dönerbude?!", mag jetzt manch einer fragen. Und klar, die nächste ist keine 500 Meter entfernt. Das einzige Problem: Aleyna ist nicht zu ersetzen, befürchte ich. Der Laden war in jeder Hinsicht einzigartig, wenn auch äußerlich fast unscheinbar. Ein winzig kleiner Laden mit nur wenigen Sitzgelegenheiten im Innenraum. Dass ich Aleyna trotz der unscheinbaren Fassade und der inneren Minimalausstattung ausprobierte, hatte damals, als ich vor rund zwei Jahren nach Hannover zog, rein praktische Gründe. Aleyna lag direkt an der U-Bahn-Haltestelle Marienstraße und war somit binnen weniger Minuten von meiner Haustür aus zu erreichen.

Dass ich seit diesem ersten Besuch kaum andere Dönerläden in Hannover austestete, lag an Qualität des Essens und Sympathie des Chefs. Aleyna gehörte Yunus, Mittend-Dreißiger, gebürtiger Hannoveraner, Deutschtürke und ein Sympathikus, wie ich selten einen in einer Imbissbude kennengelernt habe. Und Yunus stand so gut wie jeden Tag hinter dem Tresen und begrüßte seine Kundschaft mit einem freundlichen Lächeln, unterhielt sich mit seinen Gästen, winkte den Nachbarn zu, wenn sie am Fenster vorbeigingen und hatte immer ein Herz für Extrawünsche.

Irgendwann kamen wir ganz natürlich ins Gespräch, während ich auf mein Essen wartete. Zu dem Zeitpunkt kam ich bereits seit einigen Monaten regelmäßig zu ihm und spielte noch Rollhockey. Eines Abends hatte ich noch meinen Schläger, Helm und eine riesige Sporttasche bei mir. Yunus war neugierig und wir unterhielten uns über den Sport. Seitdem war das Eis gebrochen. In den Folgemonaten sprachen wir über alles mögliche: Privatangelegenheiten, seinen Umzug, mein Studium, die Fehler anderer Dönerbudenbetreiber und die Qualität von Pepperonis, die ich, sobald er seinen Anbieter wechselte, immer noch vor Ort im Laden testen sollte, damit er wusste, dass die mir als Pepperoni-Fanatiker auch zusagen.

Ab einem gewissen Zeitpunkt brauchte ich nicht mal mehr bestellen. Ich kam rein, wir gaben uns die Hand, Yunus fragte: "Wie immer?", ich nickte und bekam eine Extra-Portion Pepperonis obendrauf. Es war herrlich. Yunus brachte mir auch ein paar Brocken Türkisch bei. Wir hatten eine Abmachung getroffen, dass er mir bei jedem Besuch ein neues Wort beibringen würde. Mittlerweile könnte ich meinen Döner also auch auf Türkisch mit furchtbarem deutschen Akzent bestellen. Ist das gelebte Integration oder was?

Aleyna Schnellrestaurant in Hannover

Das Ende von Aleyna

Das Ende von Aleyna kam urplötzlich. Vergangenen Donnerstag ging ich noch an seinem Laden vorbei und sah ihn von der anderen Straßenseite aus. Alles wirkte wie immer. Nur 24 Stunden später hing das Schild im Fenster, auf dem Yunus verkündet, dass er den Laden aus privaten Gründen aufgeben müsse. Seit ein paar Monaten sind wir bei Facebook befreundet. Auf seiner Facebook-Seite hat er verkündet, dass er es macht, um für seine Kinder da sein zu können. Vor so einer Entscheidung habe ich natürlich großen Respekt. Ich hoffe nur, dass es meinem Kumpel Yunus gut geht.

Seitdem er wusste, dass ich als Journalist arbeite, sagte Yunus immer scherzhaft, ich solle doch mal einen Artikel über seinen Laden schreiben. "Schreib doch mal: Das beste Essen gibt es bei Aleyna!", höre ich ihn noch sagen, während er mir eine Serviette in meine Tüte packte und dabei grinste. Nur zu gerne, Yunus: Das beste Essen gibt, nein, leider falsche Zeitform: GAB es bei Aleyna. Ich werde den Laden schmerzlichst vermissen.

Wovon soll ich mich bitte ab jetzt ernähren?

4Okt/110

Bülent Ceylan vs. Lou Gramm. Oder: Was bitte ist Prominenz?

Bülent Ceylan Pressefoto

Pressefoto von Bülent Ceylan (c) Marco Perdigones

Manch einem wird es nicht entgangen sein, dass wir in der aktuellen Metal-Mirror-Ausgabe unserer Maxime treu geblieben sind, immer wieder ungewöhnliche Storys zu suchen und zu finden. Es brauchen ja nicht immer Bands und deren neue Alben sein, die im Fokus stehen. Auf dem Wacken Open Air erkannte ich eine solche Gelegenheit und packte sie wenige Wochen später beim Schopfe: Ich organisierte mir ein Interview mit Bülent Ceylan, aufstrebender Komiker, laut Eigenaussage Metal-Fan und der erste Comedian, der auf einem großen Heavy-Metal-Festival aufgetreten ist. Ich wollte ihm einmal auf den Zahn fühlen. Wie viel Heavy Metal ist der gute Bülent denn eigentlich? Was dabei herausgekommen ist, möchte ich hier gar nicht vorweg nehmen. Das könnt ihr hier nachlesen. Worüber ich schreiben möchte, ist etwas anderes.

Lou Gramm Pressefoto

Pressefoto von Lou Gramm (c) Scott Hamilton

Mir hat dieser Vorfall wieder einmal gezeigt, wie unterschiedliche Vorstellungen von Prominenz wir haben, ich habe, ihr habt. Ich habe in den sieben Jahren, in denen ich den METAL MIRROR herausgebe, unzählige Bands und Musiker interviewt. Vor manch einem Interview saß ich hibbelig vorm Telefon und kaute auf meinen Fingernägeln, weil ich nervös war. Wenn dann mein Telefondisplay leuchtete und klar war, dass am anderen Ende Musiker X von Band Y war, um mit mir zu sprechen, dann erstarrte ich manchmal für ein paar Schrecksekunden vor Ehrfurcht. Das war nicht oft der Fall und es legte sich binnen weniger Sekunden. Aber wenn es passierte, dann waren waren am anderen Ende der Leitung so Namen wie Eric Adams von Manowar, Rob Halford von Judas Priest, Lou Gramm von Foreigner. Absolute Legenden des Heavy Metals und Hard Rocks. Musiker, die teils ganze Generationen maßgeblich geprägt und Musikstile erfunden haben. Diese Bands haben ganze Zweige der Musikkultur geschaffen. Und diese Typen riefen von irgendeinem luxuriösen Anwesen aus den Musikjournalisten und Studenten Dorian in seiner kleinen unaufgeräumten Bude an. Eine fast schon skurrile Situation.

Was hat das alles mit Bülent Ceylan zu tun, mag sich manch einer jetzt fragen. Ganz einfach: Verglichen mit diesen Legenden, die ich teils schon Jahre zuvor interviewt habe, ist ein Bülent Ceylan ehrlich gesagt ein kleiner Fisch. Nervosität oder Ehrfurcht? Keine Spur. Klar, das liegt mit Sicherheit auch an der mit jedem Monat steigenden Erfahrung, der jahrelang aufgebauten Routine und meinem furchtbar übertriebenen Selbstbewusstsein. Aber das ist nicht der einzige Grund. Für mich ist ein Bülent Ceylan, so erfolgreich er derzeit auch sein mag, nicht einmal ansatzweise so prominent und bedeutsam wie die eben erwähnten Namen.

Umso interessanter sind deswegen die unterschiedlichen Reaktionen des Umfelds. Szenario: Ich sitze in einer munteren Bierrunde unter Bekannten in irgendeiner Kneipe. In einem Nebensatz kommt zur Sprache, dass ich kürzlich Lou Gramm interviewt habe. Ich blicke in Gesichter, die wie große Fragezeichen aussehen. "Lou... wer?" - "Lou Gramm." - "Wer ist Lou Gramm?" - "Der ehemalige Sänger von Foreigner?!" - "Wer sind Foreigner?"

In diesen Momenten hilft meist nur eins: "I Want To Know What Love Is" oder "Cold As Ice" summen. Das kennt ja doch jeder. Auch die Leute in der munteren Bierrunde. "Aaahhh, wusste gar nicht, von wem das ist", stimmt die Runde dann meist im Kollektiv an.

Anderes Szenario: Ich sitze in einer munteren Bierrunde unter Bekannten in irgendeiner Kneipe. In einem Nebensatz kommt zur Sprache, dass ich kürzlich Bülent Ceylan interviewt habe. Ich blicke in staunende Gesichter. "Woaaahh, echt?!" - "Äh, ja." - "Ist ja krass." - "Äh, ja?" - "Kann man davon mal die Aufnahme hören?" - "Äh, ne."

Mich überrascht das. Ganz ehrlich! Das mag vielleicht die Form von Naivität sein, die man sich zulegt, wenn man abgesehen von Nachrichten und Fußball jahrelang so gut wie kein TV schaut und sich immer weiter und weiter in einen speziellen Musikzweig und vor allem dessen Ursprünge hineinarbeitet, hineindenkt, hineinhört, hineinlebt. Aber was ist denn ein Bülent Ceylan im Vergleich zu einem Lou Gramm? Nichts gegen Bülent, der ist ein echt sehr netter Typ, wie ich in unserem halbstündigen Telefonat feststellen durfte. Aber mal ernsthaft: Bülent macht Comedy. Lou Gramm hat den melodischen Hard Rock der Achtziger maßgeblich mitgeprägt und mit Foreigner über 50 Millionen Alben verkauft.

Für mich liegen da einfach Welten zwischen. Für große Teile meines Umfeldes ist Bülent der Promi und Lou Gramm irgendein Typ von irgendeiner alten Band. Verrückt. Man kann daraus wohl nur den Rückschluss ziehen, dass auch der Ruhm, den man sich durch die größten Erfolge aufgebaut hat, innerhalb einiger Jahrzehnte langsam verpufft. In den Achtzigern wäre es schlichtweg undenkbar gewesen, dass jemand Foreigner nicht kennt. Aber die Zeiten ändern sich. Vermutlich wird in zwanzig Jahren irgendein Journalist in seiner Bekanntenrunde in einer Cyberspace-Kneipe sitzen, Astronautenbier trinken und beiläufig erwähnen, dass er neulich den klassischen, deutschen Comedian Bülent Ceylan zu seiner 30th-Anniversary-Tour interviewt hat. Und die Leute werden sagen: "Bülent...wer?"

31Aug/110

Die Gamescom aus Sicht von RTL

Anstoß zu diesem Blog-Eintrag ist der folgende RTL-Beitrag:

Der Qualitätssender RTL dachte sich in diesem Jahr, er würde mal einen qualitativ hochwertigen Beitrag über die jährlich stattfindende Zockermesse Gamescom bringen und im Rahmen dessen beleuchten, wie er denn ist, der gemeine Zocker. Und klar, wer sucht, der findet. Bei RTL ging es aber scheinbar nie darum, einen wirklichen Bericht zur Gamescom zu bringen. Es ging von vorne herein darum, die Sensationsgeilheit der weitgehend verblödeten Zuschauerschaft zu befriedigen, die zwischen "Bauer sucht Frau" und "Mitten im Leben" auch mal ein Format schaut, das eine Nachrichtensendung imitiert.

Da wird die These aufgestellt, jeder junge Mann käme an einen Punkt in seinem Leben, wo er sich entscheiden müsse, ob er einen Rasierer oder ein Computerspiel kaufe. Beides geht nämlich nicht. Wer sich "falsch" (!) entscheide, der lande später auf der Gamescom. Quasi das Reich der Bekloppten, der Lebensversager, der Stinker und Nichtskönner. Und um das möglichst authentisch darzustellen, haben sich die Qualitätsjournalisten ein paar Besucher herausgepickt, die sie nach ihrem Äußeren oder dem Grund fürs Single-Dasein fragen. Dass die Antworten auf die Fragen "Wieviel Gedanken machst du dir um dein Styling?" (Besucher: "Nicht so viel. Ich bin so wie ich bin.") und "Warum hast du keine Freundin?" (Anderer Besucher: "Ich bin zu schüchtern. Ich kann halt nicht auf ein Mädel zugehen.") eigentlich gar nicht so unsympathisch wirken, hat RTL nicht davon abgehalten, mit der Aufklärungskampagne weiterzumachen.

Und da Styling nun einmal alles ist, holt man sich gleich mal eine Gewinnerin ins Bild: Laura Da Silva. Die ist Messehostesse, Plastikblondchen und Vorzeigeunsympathin in einem und darf nachfolgend die Zocker in Gruppen einteilen (die da wären: Verkleidete, Introvertierte und Stinkende). Damit das ganze an Demonstrationskraft gewinnt, schreitet sie als pseudomakellose Schönheit über die Messe und darf Besucher hinsichtlich ihres Äußeren bewerten und kategorisieren. Wie bei einem Besuch im Zoo plaudert sie über die verschiedenen Outfit-Typen, als stünden die Menschen gar nicht neben ihr. Die Haare sind länger als ihre, das T-Shirt ist schlabberig, na klar, dieser Herr legt keinen Wert auf sein Äußeres, urteilt die junge Dame, die so viel Tiefgang zu haben scheint, wie die Nordsee bei Ebbe. Dass der (im Übrigen nach Heavy Metal aussehende) Herr da Protest einlegt, ist für RTL nebensächlich.

Stattdessen wird der - wie die Reporter es nennen - "Computer-Spieler-Einheitslook" definiert: Dunkle Schlabberklamotten, die streng riechen. Aha. Befriedigen wir ein Vorurteil! Dass Computerspiele ein Phänomen sind, das sich längst durch alle Schichten der Gesellschaft zieht, ist hier egal. Es passt nämlich viel zu gut. Alle rein in die Schublade, das RTL-Publikum braucht neuen Stoff. Die grandiose Laura bereitet sich derweil auf ihr großes Abschluss-Statement vor. Kurz zusammengefasst: Computerspiele machen süchtig. Und deswegen haben die Zocker keine Zeit und keine Lust, sich zu waschen.

Der Punkt ist: Natürlich wird man auf der Gamescom Besucher finden, die dem Klischee des unhygienischen Zocker-Nerds entsprechen. Genau so, wie ich mit Sicherheit bei einem Bericht über den bösen, bösen Islam einen gewaltbereiten Moslem finde. Oder einen schwulen Friseur. Oder einen pöbelnden Fußball-Fan. Oder einen Ecstasy einwerfenden Techno-Hörer. Oder eine oberflächliche Blondine. Dafür müsste ich sogar nicht mal lange nach einem geeigneten Exemplar suchen, nicht wahr Laura?

Für jedes Klischee lässt sich jemand finden, der eben genau dieses Klischee vertritt. Der Witz ist: Dass diese Klischees niemals die Allgemeinheit widerspiegeln, das wissen auch die Leute bei RTL. Aber es ist eben so sehr viel einfacher, einen Bericht zusammenzuschustern, der nicht überrascht, aufklärt und eine neue Sichtweise zeigt, sondern dem "Explosiv"-Publikum genau das zeigt, was man doch schon immer zu wissen geglaubt hat.

RTL werkelt damit übrigens fleißig an einem weiteren Klischee: Bei RTL arbeiten nur unfähige, oberflächliche, sensationsgeile, unethische Schmierlappen-Journalisten. Oder entspricht das vielleicht der Wahrheit?


Anmerkung 1: Ich bin Hobbyzocker und habe ebenfalls längere Haare als Laura... Ich frage mich nur noch, in welche der drei Kategorien ich passe.

Anmerkung 2: RTL hat sich nach einer Beschwerdewelle in einer späteren "Explosiv"-Sendung mit einem Satz für den Bericht entschuldigt.

Anmerkung 3: Die passendste Antwort auf diesen RTL-Qualitätsbeitrag fanden übrigens die Jungs von GIGA. Seht selbst:

28Jul/111

Erstmal ist der Moslem schuld…

Osama (Family Guy)

(c) Family Guy

Wir sind so unglaublich geil auf unsere Feindbilder. Wir lechzen nach ihnen und pflegen sie. Scheinbar brauchen wir die ständige Gefahr durch die bösen Menschen aus Fernost. Jene mit ihrer rückständigen Ballaballa-Kultur und der seltsamen Kleidung. Man hat uns mittlerweile durch die Medien, durch Propaganda, durch die Furcht vor dem Fremden konditioniert. Dementsprechend war es nur natürlich, quasi eine Art Reflex, dass in den Medien in den ersten Stunden nach dem grässlichen Norwegen-Attentat vermutet wurde, der böse Moslem hätte wieder zugeschlagen. Beispiele für entsprechende Medien-Kurzschlussreaktionen lassen sich einige finden. Der von mir journalistisch überaus geschätzte Stefan Niggemeier führt einige in seinem Blog an, das brauche ich hier deswegen nicht mehr im Detail ausführen.

Uns sollte die Medienreaktion auf diesen Vorfall zu denken geben. Wir leben mit einer rassistischen, von Vorurteilen belasteten Sündenbock-Voreinstellung in unseren Köpfen. Wir sind darauf trainiert, das Übel in der Kultur zu suchen, die uns fremd erscheint und über die man so viel Böses liest. Die Medien und die Politik haben diesbezüglich ganze Arbeit geleistet, denn Furcht verkauft sich gut. Sie ist ein mächtiges Werkzeug. Keine Frage, es gibt im Islam kranke Arschlöcher, die konservativ sind, Hass propagieren und nicht in diese Welt passen. Na und? Kranke, konservative Arschlöcher, die Verhütung sowie Homosexualität verteufeln und das Wort Gottes preisen, nachdem sie sich an kleinen Jungs vergangen haben, gibt es im Katholizismus seit Jahrhunderten. Deswegen verurteilen wir noch lange nicht den gesamten westlichen Kulturkreis.

Der Unterschied ist: Jeder kennt eine Menge gläubiger Christen. Diese Erfahrungen sorgen dafür, dass wir die Störfälle, die in den Medien thematisiert werden, als Ausnahmen wahrnehmen. Beim Islam ist das anders. Da ist es völlig egal, dass wir seit Jahrzehnten Tür an Tür mit gläubigen, freundlichen, gut integrierten Moslems leben. Wir hören die Geschichten über Hassprediger und Ehrenmorde und verurteilen sofort eine ganze Religion mit all ihren Zweigen und Zugehörigen. Da werden einfach mal Millionen Menschen in einen Topf geschmissen und eine Generalaussage über eine gesamte Glaubensrichtung gemacht.

Innerhalb dieses Konstrukts ist es nur verständlich, dass die offizielle Beweislage im Falle des norwegischen Doppelanschlags nicht einmal abgewartet werden musste. Wir hören bestimmte Schlagworte wie Terror, Anschlag, Bombe, und wir reagieren: Der böse Moslem war es. Er ist gekommen, um unsere friedliche, heile Welt zu zerbomben. An jemanden aus dem eigenen Kulturkreis denkt da erstmal niemand.

Der Gipfel der Lächerlichkeit ist, wie dem Islam dann nach Klärung der Lage zumindest noch die Rolle einer auslösenden Kraft zugeschrieben wird. Als Warnung vor Entfremdung möchte Breivik seine Tat scheinbar verstanden wissen. Wäre das alles nicht so unfassbar traurig, man könnte über eine solch absurde Haltung fast lachen. Selbst in einem Fall, wo ein weißer, gutbürgerlicher Christ eine abscheuliche Tat begeht, wird noch versucht, irgendwie dem Islam den Schwarzen Peter zuzuschieben. Offiziell nur von Breivik, inoffiziell von all jenen, die öffentlich die Tat als schrecklich bezeichnen, diese aber drei Sätze später relativieren.

Interessant ist auch, dass wir nach islamistischen Anschlägen besonders wachsam durch die Welt wandern. Ich weiß noch, dass ich kurz nach dem Anschlagsversuch auf einen Zug in NRW am Düsseldorfer Hauptbahnhof stand. 50 Meter neben mir stand ein Herr, der einen Turban, ein weißes Gewand und einen langen Vollbart trug. Und direkt dahinter: ein Polizeitrupp, die diesem mit etwas Sicherheitsabstand auf Schritt und Tritt folgten. Der Turban, ein Signalreiz für Terrorgefahr, denn er passt in das Schema, das wir vom Moslem im Kopf haben. Wir nehmen die Informationen, die wir mit der in ihrer Gesamtheit verurteilten Kultur verbinden, und stricken uns daraus ein Feindbild. Tobias Schlegel hat für EXTRA 3 einmal einen tollen Test gemacht, den ihr im nachfolgenden Video anschauen könnt:

Ob wir nach dem Fall Breivik misstrauisch gegenüber streng gläubigen Christen sein werden? Ob man demnächst Kreuzträger am Flughafen doppelt und dreifach überprüft? Ob wir demnächst mit mulmigem Gefühl an der Kirche um die Ecke vorbeigehen? Wohl kaum.

Anmerkung: Ich halte nichts von Religion. Weder vom Islam, noch vom Christentum, Judentum oder irgendeiner anderen Glaubensrichtung. Ich habe nur massive Probleme mit Dummheit und der Vorverurteilung ganzer Kulturen.