Mein Beitrag zum Weltfrauentag
8. März. Weltfrauentag. Mal wieder. Es wäre so wunderschön, wenn dieser Tag dafür genutzt werden würde, um auf die wirklichen Missstände, die in dieser Welt vorherrschen, aufmerksam zu machen. Und wenn ich von wirklichen Missständen spreche, dann blicke ich nicht in meine Nachbarschaft, wo Frau Meier zuhause bleibt, während ihr Mann, deren Namen sie angenommen hat, die Kohle ranschafft. Dann blicke ich auch nicht auf den Rest von Deutschland. Dann interessieren mich die abstrusen Quotenforderungen und Mindestens-30-Prozent-Frauenanteile in Management-Positionen einen – entschuldigt meine Wortwahl – Scheißdreck.
Ich blicke auf zahlreiche Länder, in denen Frauen verstümmelt und weibliche Neugeborene wie Müll entsorgt werden. Es gibt Länder, in denen noch sehr viel getan werden muss, damit Frauen dort den ganz normalen Platz in der Gesellschaft erlangen, den sie selbstverständlich verdient haben.
Wie mir allerdings den ganzen Tag vor Augen geführt wird, wie Deutschlands Frauen, Deutschlands Männer und Deutschlands Medien diesen Tag des weiblichen Bewusstseins zelebrieren, das stößt mir übel auf.
Schon am Vorabend erfahre ich per Facebook, dass im Betrieb eines Kumpels alle weiblichen Kräfte frei haben. Vermutlich um sich auf ihr weibliches Selbstbewusstsein zu konzentrieren. Haben Deutschlands Frauen ja mit Sicherheit nötig.
In den Medien geht es auch an diesem Tag um Quotendebatten in Führungsetagen, die so dermaßen lächerlich sind, dass sie einen eigenen Blogbeitrag verdient haben. Männer verwandeln sich für einen Tag in Klischeefrauen und Bild-Chefkolumnist Franz Josef Wagner betört die weibliche Leserschaft, indem er deren Stärke anerkennt und gleich zum Rundumschlag ausholt: Frauen haben mehr Gehirn. Frauen sind die besseren Studentinnen. Na klar…
Hat dieser Tag denn nicht mehr zu bieten, als die angebliche Erkenntnis, dass man die Frauen ja doch irgendwie für ihre angebliche Stärke, mit der sie die tagtägliche Bürde des Frauseins bewältigen, bewundert? Wer soll denn das überhaupt sein, die Frauen? Ich kenne hunderte Frauen persönlich und jede davon ist auf eine gewisse Art und Weise anders. Ich kenne auch hunderte Männer persönlich und jeder davon ist auf eine gewisse Art und Weise anders. Es gibt Menschen, die bewundere ich. Und es gibt einen Großteil anderer Menschen, die bewundere ich eben nicht – das Geschlecht einmal ausgeklammert. Und genau da liegt der Knackpunkt: All die Befürworter und Gleichschalter sind offenbar noch lange nicht soweit. Sie schaffen es nicht, das Geschlecht auszuklammern. Und das zeigt sich auf allen Ebenen.
Momentan erleben wir eine ganz besonders schlimme Zuspitzung einer angeblichen Geschlechterdebatte, die unter dem Mantel des Zusammenführens nichts anderes macht, als möglichst oft zu unterscheiden, worin Mann und Frau denn anders sind und – noch viel wichtiger – wer denn in was besser ist. Der ganze Strang der populistischen Gender-Forschung scheint derzeit nichts anderes zu tun zu haben, als jeden noch so hanebüchenen Unfug zu untersuchen. Räumliches Denken, Autofahren, Mitarbeiterführung, Allgemeinwissen – ist alles schon abgedeckt. In Kürze dann vermutlich: Wer kocht den besseren Kaffee? Wer hat mehr Erfolg beim Rasenmähen? Wer findet sich schneller in einem IKEA-Markt zurecht? Mir hängt es alles zum Hals heraus.
Ich verstehe nicht, was daran so schwierig sein kann, Menschen in erster Linie mal als Menschen wahrzunehmen. Als Individuen. Natürlich nicht geschlechtslos, denn klar: Frau und Mann sind gleichwertig, aber nicht gleich. Beide Geschlechter haben mit Sicherheit ihre eher typischen Verhaltenszüge. Wäre ja auch langweilig, wenn es anders wäre. Nur das gleiche gilt auch für die eigenen Geschlechtergruppen selbst. Mann ist nicht gleich Mann. Frau ist nicht gleich Frau. Dieses elende Draufrumreiten, diese Internet-Foren-Kleinkriege, wer denn jetzt was besser kann, ja letztlich auch die peinliche Art und Weise, wie wir hierzulande einen Frauentag zelebrieren, alle Teile dieser nervtötenden Geschlechterdebatte stumpfen die Welt um mich herum ab und sorgen für gleichermaßen bescheuerte wie nutzlose Grabenkriege zwischen den Geschlechtern, in denen die Stimmung zusätzlich aufgeheizt und ein ganz normales Miteinander erschwert wird.
Da werden Studien über die angeblichen Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau angeführt, die entsprechenden Untersuchungs-Designs aber weder betrachtet, geschweige denn hinterfragt. Es wird über die unterschiedlichen Bürosprachen gesprochen, über Hürden, gläserne Decken, Förderung, Ungerechtigkeit, es wird gejammert, gejammert, gejammert. Und das von beiden Seiten. Vielleicht gehöre ich sogar selbst zu den Jammerern. Einfach nur weil ich darüber jammere, dass mir all dieser Kokolores auf die Nerven geht.
Mir wird am Frauentag jedenfalls nicht bewusst, dass ich die Frauen fürs Frausein bewundere. Ich bewundere am Männertag, der ist übrigens am 19. November, auch nicht die Männer fürs Mannsein. Und warum sollte ich auch? Ist doch nur eine Geschlechtsgruppe, der man da angehört. Hört auf, da so eine große Sache draus zu machen.
Dave Mustaine und die Homoehe
Diesmal hat er sich mal wieder selbst übertroffen, der gute Dave. Seitdem Dave Mustaine wiedergeborener Christ ist, dreht der Megadeth-Chef und ex-Metallica-Gitarrist zunehmend am Rad. Erst drohte er an, keine Auftritte auf Festivals zu spielen, auf denen auch antichristliche Bands auftreten. Jetzt äußerte er sich in einer Radio-Talkshow zum Thema Homoehe und - ganz im Sinne seiner Auslegung des Christentums - fand natürlich, dass das so gar keine dufte Idee ist. Im Wortlaut liest sich der Dialog wie folgt:
Do you support gay marriage?
I'm very conservative. So, take it for what it's worth.
Washington State, just this week, the governor signed gay marriage into law. Do you support gay marriage, or is that something you oppose?
Well, since I'm not gay, the answer to that would be no.
OK. What about for people who are gay?
Since I'm not gay, the answer to that would be no.
Would you support legislation to make marriage between a man and another man legal?
I'm Christian. The answer to that would be no.
Und das aus dem Mund eines Musikers, der einst als einer der wichtigsten Köpfe einer Szene galt, die dem Grundgedanken nach eigentlich liberal, rebellisch und alles andere als konservativ sein sollte. Doch - und das ist das Traurige an der heutigen Szene - mit seiner Anti-Homosexuellen-Einstellung (oder deutlicher gesprochen: Anti-Schwulen-Einstellung) steht Mustaine gar nicht mal so alleine im Heavy-Metal-Sektor dar. Nein, keine Sorge, ich werde jetzt bestimmt nicht so dumm und oberflächlich sein und der gesamten Metal-Szene unterstellen, dass sie schwulenfeindlich ist, aber weite Teile sind es zumindest latent. Selbst wenn es ihnen teils nicht bewusst ist.
Der Metal-Szene haftet ein Macho-Image an. Starke Männer machen lauten Krach. In diesem Szenario scheint in den Gedanken vieler kein Platz für Schwule zu sein. Dass - oh, diese Ironie - einer der bedeutendsten Metal-Sänger aller Zeiten schwul ist, scheint da erst einmal nebensächlich zu sein. Der Aufschrei ist trotz allem immer noch groß, wenn sich dann doch mal ein Musiker outet. Das jüngste Beispiel ist nur wenige Jahre her. Es war auf dem Wacken Open Air 2008, da ging über den Pressezeltplatz bereits das "skandalöse Gerücht" umher, dass Gaahl, Sänger und Frontfinsterling der Black-Metaller God Seed (damals noch Gorgoroth), schwul und mit seinem Liebhaber nach Wacken gereist sei. In Black-Metal-Kreisen rief das damals wahre Hasstiraden hervor. In den Online-Foren wurde über "die Schwuchtel von Gorgoroth" geflucht, geschimpft, gehetzt. Und nicht nur dort: Kurze Zeit später interviewte ich den Schlagzeuger einer deutschen Black-Metal-Band (den Namen der Truppe lasse ich jetzt einfach mal unter den Tisch fallen), der von sich aus das Thema aufgriff, Gaahl als "widerlich" und "eklig" einstufte und mir anschließend noch in einer fortgeführten E-Mail-Diskussion mitteilte, dass er sich schäme, wenn man diesen Sänger noch immer mit der Black-Metal-Szene assoziieren würde. Gaahls Outing würde der Szene nur schaden.
Plötzlich sind sich Antichristen und christliche Fundamentalisten gar nicht so unähnlich. Oh, diese Ironie...
Das mag ein Einzelfall sein? Von wegen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich schon Interviews geführt habe, in denen der Musiker das Adjektiv "schwul" als Synonym für schlecht oder scheiße verwendete. Wahrscheinlich denken sich diese Leute nichts dabei. Wahrscheinlich würden sie sich nicht einmal offen als schwulenfeindlich bezeichnen. Aber es ist diese latente Einstellung, diese grundsätzliche Stimmung gegenüber Schwulen, die in dieser Szene herrscht und dafür sorgt, dass sich kaum einer outet. Ich persönlich kenne beispielsweise nicht einen einzigen schwulen Metal-Fan. Und wenn man bedenkt, wie viele Leute ich seit Jahren in dieser Szene auf Konzerten, Festivals und Partys kennenlerne, dann widerspricht das doch jeder statistischen Logik.
Warum schreibe ich jetzt die ganze Zeit von Schwulen und nicht von Homosexuellen? Die Antwort ist simpel: Lesben, zumindest das, was der gemeine Metaller für eine Lesbe hält, sind in der Szene gerne gesehen und dienen als Projektionsfläche für - vornehm ausgedrückt - erotische Fantasien. Ob knutschend vor der Bühne mit einer Horde Lechzender um sich herum oder fummelnd und tanzend auf der Bühne, während einer Manowar- oder Mötley-Crüe-Show - zwei Frauen gelten als erotisch, ästhetisch, sexy. Sieht ja auch nett aus, keine Frage. Aber hat einer von euch schon einmal zwei knutschende Männer vor der Bühne auf dem Wacken Open Air gesehen? Ich nicht. Und ich fahre da seit bald zehn Jahren hin. Mich macht das traurig. Nicht weil ich mir gerne knutschende Männer angucken würde, sondern weil mich diese Doppelmoral ankotzt.
Für mich verkörpert diese Musik Freiheit, von mir aus auch Auflehnung. Lange Haare galten einst als Symbol dafür, dass man sich dem verbohrten Spießertum verwehrt, liberal ist und die konservativen Werte ablehnt, zumindest aber in Frage stellt. Und wo befinden wir uns heute? Heute geht ein einstiger Vollzeittrinker, ex-Rebell und musikalisches Genie in eine Talkshow und schließt sich den hirnverbrannten Ideen derer an, gegen die er einst mit zerrissener Jeans und schmuddeliger Lederjacke protestierte. Traurige Zeiten.
Was die Homoehe angeht, habe ich übrigens eine ganz klare Meinung: Jeder hat das Recht, sein eigenes Leben zunichte zu machen. Warum sollten sich Homosexuelle nicht in das gleiche Unglück wie alle anderen Verliebten stürzen dürfen?
Billiger Sexismus: Die Männer und der Alkohol
Kennt ihr diese Werbekampagne? "Kenn dein Limit" hat es sich zur Aufgabe gemacht, über das Thema Alkoholmissbrauch aufzuklären. Grundsätzlich eine ehrenvolle Sache. Aber fällt nur mir auf, dass die Kampagne ein sehr einseitiges Bild auf die Geschlechter bei diesem Thema wirft?
Drei Motive gibt es. Laut Webseiten-Info zeigen diese:
(...) typische Situationen fürs Trinken – und was passieren kann, wenn man dabei aus seinem Limit rutscht.
Alles klar soweit. Hier die drei Motive:
Man beachte: Frau 1 lässt heute die Hemmungen fallen. Vielleicht bin ich da komisch, aber laut meinem Vokabular ist es meist wünschenswert "Hemmungen fallen zu lassen". Hemmungen blockieren, stellen sich zwischen uns und etwas, was wir eigentlich tun wollen. Wir trauen uns nur nicht. Das sind in meinen Augen Hemmungen. Dass Frau 1 die Hemmungen fallen lässt, wäre ja auch nicht schlimm, wäre da nicht Mann 1. Dieser perverse Handylüstling mit seinem eklig-süffisanten Playboy-Grinsen. Das Fotohandy bereits im Anschlag. Und natürlich - das machen Männer grundsätzlich bei One-Night-Stands - lichtet er die Hemmungslose später nackt ab und stellt sie ins Internet. Frau 2 ist scheinbar vernünftig und bleibt putzmunter. Nicht so ihr Begleiter. Der landet auf der Intensivstation. Das war Postermotiv 1. Zwischenfazit: Eine hemmungslose Frau, ein potenzieller Triebtäter und eine männliche Alkoholleiche. Kommen wir zu Motiv 2.
Hier haben wir das männliche Pendant zur weiblichen Hemmungslosen von Postermotiv 1. Allerdings sind es diesmal nicht die "Hemmungen", die man "fallen lässt", sondern es ist die "Kontrolle", die man "verliert". Kontrolle ist im Gegenzug zu Hemmungen durchaus positiv. Verlust hingegen nicht wünschenswert. Hier werden ganz anders konnotierte Worte verwendet. Finde ich zumindest. Und der Kontrollverlust hat Konsequenzen. Denn die grinsende Frau in der Mitte wird ihm diesen nie verzeihen. Vermutlich, weil sie vernünftig ist und eine Alkoholvergiftung, schlechte Betrunkenen-Tanzmoves und Erbrochenes auf der Grillwiese dann Trennungsgründe sind. Apropos Erbrochenes: Der junge Mann rechts im Bild schafft es nicht bis auf die Intensivstation, wo sein Pendant aus Motiv 1 bereits auf ihn wartet. Er göbelt sich stattdessen gleich an Ort und Stelle voll und schläft anschließend in seiner Kotze ein. Bon Scott lässt grüßen. Fassen wir Motiv 2 zusammen: Ein in Kotze Badender und ein Kontrollverlust, der von der einzigen Frau im Bilde mit Konsequenzen sanktioniert wird. Wir kommen zu Postermotiv 3.
Dieses Motiv vollendet die Werbekampagne und treibt die einseitigen Geschlechterrollen auf die Spitze. Erneut sehen wir vier hippe Partypeople. Erneut passiert einer jungen Dame gar nichts, die andere hingegen "kriegt noch die Kurve". Kein Kontrollverlust also in der Damenwelt. Kommen wir zu den jungen Herren, deren Schicksal besiegelt scheint: einer rauscht durch die Prüfung, bei dem anderen wird gar angedeutet, dass er noch heute Abend stirbt, vermutlich weil er besoffen gegen einen Baum fährt. Bin ich immer noch der einzige, dem da etwas auffällt?
Fazit: Wir sahen sechs Männer und fünf Frauen. Die Männer waren Handy-Perverse, Intensivstationspatienten, Unkontrollierbare, Eingekotzte, Prüfungsdurchrassler und tot. Die Frauen waren hemmungslos und Opfer, bestraften den Kontrollverlust, kriegten die Kurve und vermittelten in zwei von fünf Fällen gar keine Botschaft. Soll das etwa die Realität widerspiegeln? Kann man Geschlechterstereotype noch billiger bedienen? Dass man solche durchaus wünschenswerten Kampagnen auch ohne platte Geschlechterklischees aufziehen kann, beweist massvoll-geniessen.de.
Anmerkung: Ich trinke manchmal gerne. Bevorzugt White Russian, Rum-Cola oder Whiskey. Ich habe noch keine Frau nackt ins Internet gestellt, lag noch nie auf der Intensivstation, habe mich meistens gut unter Kontrolle, bin noch nie in meiner Kotze aufgewacht, in meiner gesamten Studentenlaufbahn durch keine Prüfung gerasselt und lebendig obendrein.
Gedanken zur Frauenfußball-WM
Mit aller Macht versucht die Medienwelt derzeit ein sogenanntes "Sommermärchen" heraufzubeschwören. Sie sind gierig nach Autokorsos, nach einem Meer aus Schwarz-Rot-Gold und einer Public-Viewing-Fanmeile, die sich bei jedem Tor jubelnd in den Armen liegt. Künstlich wird versucht, eine solche Atmosphäre zu kreieren, wie sie 2006 bei der WM in Deutschland im ganzen Land herrschte. Das ganze Land soll mitfiebern. Denn immerhin feuert selbst Franz Beckenbauer in Werbespots die Damen in den schwarz-weißen Trikots an. Na, dann.
Man möchte uns weismachen, dass diese WM ein quasi-gleiches Ereignis wie das vor fünf Jahren ist. Ist es aber nicht. Hier spielen Frauen, nicht Männer. Und das ist völlig wertfrei zu verstehen. Denn - und hier kommt die große Überraschung - Mann und Frau sind (entgegen der Political-Correctness-Auffassung vieler) nicht gleich. Sie sind gleichwertig, aber nicht gleich. Und das ist auch verdammt gut so. Michael Kimmel, dessen Ansichten ich nicht unbedingt immer teile, hat einmal einen tollen Spruch gebracht: "Gleichberechtigung ist die Wertschätzung von Differenzen, nicht Unterschiedslosigkeit." Und die Unterschiede sind in diesem Fall eben sichtbar.
Es sind nicht nur Unterschiede, die durch die Gesellschaft, die Sozialisation und das Umfeld kreiert werden. Es sind auch biologische Unterschiede, die sich eben vor allem im Leistungssport bemerkbar machen. Gebt Mutter Natur die Schuld. Der Fußball, der bei einer Frauen-WM geboten wird, wird dadurch auch nicht temporeicher. Die Schüsse aus der zweiten Reihe werden trotzdem nicht kraftvoller.
Ich sehe den Fußball bei dieser WM losgelöst vom Geschlecht und losgelöst vom drumherum kreierten Politikum. Ich betrachte nur den Fußball. Und das ist wahrscheinlich die emanzipierteste Einstellung, die man diesbezüglich haben kann, die aber einen Nebeneffekt mit sich bringt: es begeistert nicht. Ich mag schnelle, temporeiche Spielzüge und knallharte Schüsse, die aus der zweiten Reihe abgefeuert werden und die das Netz zu zerfetzen drohen, wenn sie oben links im Winkel mit voller Wucht einschlagen. Aber das sehe ich hier nicht. Stattdessen sehe ich Fußball, der oft wie das mittlere Amateur-Niveau der Männer wirken würde, wenn man die Frauen auf dem Platz nicht als solche identifizieren könnte. Das begeistert mich nun einmal nicht. Nicht wegen der Frauen, sondern wegen des Spiels an sich.
Vielleicht bin ich mit meiner Einstellung zu emanzipiert und meiner Zeit weit voraus. Wer weiß... All jene, die diese WM mit dem Bewusstsein fürs das spielende Geschlecht schauen, sind doch letztlich sexistisch. Das Geschlecht sollte keine Rolle spielen. Gar keine. Tut es aber. Vor allem auf Seiten der großen Befürworter dieser WM - den Medien, den Radikalfeministinnen, den pseudosensiblen Frauenverstehern. Sie setzen sich für Gleichberechtigung ein, stellen diese aber weit mehr ins Abseits als es mein Nichtschauen der WM jemals könnte.
Aber das würden die Beteiligten niemals selbst bemerken. Dafür sind sie viel zu sehr damit beschäftigt, in Rollenklischees zu verfallen. Die EMMA fordert symbolisch die Hälfte des Balls, begreift die WM als Kreuzzug für den Feminismus, anstatt den Sport eben einfach mal nur Sport sein zu lassen. Die FIFA-Oberhäupter sind damit beschäftigt, sich als nette, wohltätige Onkels von nebenan zu inszenieren. Die Machos reißen nur engstirnige Plattitüden vom Stapel und ARD und ZDF nutzen die Sommermärchen-Chance, um mit "frechen" (O-Ton: BILD) Werbeplakaten einen Geschlechterkampf und vor allem einen Vergleich zwischen Männer- und Frauenfußball anzuzetteln. "Männer spielen. Frauen siegen." und "3. Plätze sind was für Männer" prangt es da von den Plakatwänden. Aha. Ob ARD und ZDF dem Frauenfußball damit einen Gefallen getan haben? Ich glaube nicht. Denn würde man es wirklich auf einen direkten Vergleich ankommen lassen, sähe der Frauenfußball nicht gut aus. Zumal ich diese Plakate als nicht sonderlich einladend empfinde. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich ein Mann bin. Ich spiele nur und lande ständig auf dem dritten Platz.
Es scheint mir, als könne man mit kaum jemandem ernsthaft darüber reden. Diejenigen, mit denen ich über dieses Thema spreche, schaffen es meist nicht, so habe ich zumindest das Gefühl, meine losgelöste Position nachvollziehen oder gar einnehmen zu können. Die Frauen faseln irgendetwas von Gleichberechtigung und Respekt, schauen sich aber (zumindest in meinem Bekanntenkreis) selbst kein Spiel an. Die Fußball-Machos faseln aus Angst davor, dass ihre Lieblingsdomäne Berührung mit Frauen hat, etwas von "Frauen an den Herd". Die Radikal-Feministinnen faseln vom feministischen Feldzug, begreifen die WM aber eben nicht aus rein sportlicher Sicht. Und manch ein "Ja-Mausi"-Pseudofrauenversteher gesteht mir, dass er die Spiele schon alleine aus einem Gerechtigkeitsgefühl heraus schauen würde. Als sei das der Sinn eines sportlichen Turnieres.
All dieses Gefasel ist Unsinn. Frauen gehören nicht an den Herd, es sei denn sie wollen gerne. Die Frauen, die mir im Rahmen der WM etwas von Gleichberechtigung erzählen wollen, haben schlichtweg keine Ahnung, was dieser Begriff bedeutet. Und sich über den Gehaltsunterschied von Bastian Schweinsteiger und Kim Kulig aufzuregen, entbehrt jedes logischen Grundsatzes. Die Popularität bestimmt in so einem Sektor nun einmal, wie hochdotiert Werbeverträge, Lizenzgebühren und Gehälter sind. Ich verdiene mit meinen Texten schließlich auch nicht so viel wie Marcel Reich-Ranicki.
Liebe Mitmenschen, seht die Angelegenheit doch lockerer. Lasst die Frauen Fußball spielen, wenn sie das Bedürfnis danach haben. Lasst sie Profiligen gründen und Weltmeisterschaften spielen. Fördert Frauen, die gerne Fußball spielen wollen. Sie haben jedes Recht der Welt dazu, auf Bolzplätzen und in Stadien Bälle zu treten. Aber hört doch bitte auf, daraus ein Politikum zu machen. Das ist kein feministischer Kreuzzug und nicht "die schönste WM aller Zeiten". Es ist Fußball. Mehr nicht. Und ich habe jedes Recht der Welt, diesen Fußball angesichts seiner Tempolosigkeit langweilig zu finden. Punkt.




