Dorian Gorr – Blog über Musikjournalismus und Co.
6Sep/110

Making Of: METAL MIRROR #57

Werbeblock: Bereits Anfang September ist die neue Ausgabe von METAL MIRROR erschienen. Nachfolgend ein Blick hinter die Kulissen der aktuellen Ausgabe.

Es ist immer wieder schön, wenn der METAL MIRROR Träume erfüllen kann. Wenn man mit der vielen Arbeit schon quasi kein Geld verdient, so soll man doch wenigstens eine persönliche Bereicherung aus dem Magazin ziehen. Das Treffen bzw. Interviewen früher Idole kann zwar auch desillusionierend sein, im aktuellen Falle glaube ich jedoch nicht, dass das der Fall war. Seitdem ich Miri kenne (und das war schon eine Weile bevor sie beim Mirror anfing), war sie ein knallharter Edguy-Fan. Weder neue Ausrichtung, noch Pophymnen oder der langsam einsetzende Haarausfall bei Tobi hat daran in all den Jahren etwas geändert.

Demnach war es nicht eine Sekunde lang eine Option, dass jemand anderes als Miri das Interview führen würde, als klar wurde, dass wir die Möglichkeit bekommen, eine Edguy-Titelstory zu veröffentlichen. Für Tobi war das dadurch zugegebenermaßen eine dankbare Angelegenheit, denn ich hätte dem Frontjoker manch eine selbstverliebte Phrase nicht so unkommentiert durchgehen lassen. Dafür ärgere ich einfach zu gerne. Erst recht, wenn ein Musiker alle anderen aufstrebenden Bands an die Wursttheke schicken möchte.

Von solchen Rockstar-Attitüden sind die Rival Sons weit entfernt. Ob sich das eines Tages ändern wird - wer weiß. Derzeit schwimmen die Blues-Rocker auf einer Welle des Erfolgs, im Interview entpuppte sich Gitarrist Scott Holiday jedoch als absolut bodenständiger und überaus gutgelaunter Familienvater, der sich derzeit zwar tierisch über den Erfolg der Band freut, aber auch besorgt wirkt, wenn er daran denkt, wieviel weniger Zeit er dadurch zukünftig mit seiner Familie verbringen kann. Die Bürden des Rockstar-Daseins... Dass Rival Sons den Rock-Olymp erklimmen können, davon bin ich mit jedem weiteren Monat, in dem das Album bei mir rauf- und runterläuft, mehr überzeugt. Das Interview bestätigte mir, was ich schon vorher vermutete: diese Jungs stehen zu hundert Prozent in der Tradition all der Bands, die ich vergöttere - Led Zeppelin an vorderster Front! Man höre sich nur mal "Pressure & Time", also den Titelsong des aktuellen Albums an. Der klingt wirklich so dermaßen nach Page-Plant-Bonham-Jones, dass es fast schon gruselig ist.

Der Fokus auf die Festivals war in dieser Ausgabe nicht zu vermeiden. Im August ist einfach jedes Jahr der glorreiche Abschluss der Open-Air-Saison. Wacken, PartySan, SummerBreeze - drei der in meinen Augen wichtigsten Veranstaltungen für die hiesige Heavy-Metal-Landschaft, wo sollte man da einsparen? Umso länger habe ich darüber gegrübelt, wie man den Platz am besten verteilt. Letztlich haben wir natürlich etwas gewichten müssen. Auf Musikerkommentare haben wir dabei dieses Jahr bewusst verzichtet. Schlicht und ergreifend aus dem Grund, dass in all den Jahren, die ich mit diesem Stilmittel gearbeitet habe, in quasi jedem Falle das gleiche inhaltsleere Blabla herauskommt. Da reden Musiker davon, dass das Festival das absolut genialste überhaupt sei, waren aber nicht einmal auf dem Campingplatz. Kritisiert wird nicht, weil man möchte ja wieder eingeladen werden. Ich möchte den Musikern das nicht vorwerfen. Ihre Haltung ist ja verständlich. Die Konsequenz ist jedoch, dass Kurzinterviews über Festivals, auf denen die Band gerade spielt, zu nichts mehr taugen als dem Prominenzfaktor. Der wurde diesmal bewusst ausgeklammert. Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass die Festivalberichte auch so überzeugen können. Da braucht es weder Aussage noch Visage eines Musikers, der dann doch eh nichts beizutragen hat.

Vor allem der Wacken-Bericht hat diesmal eine experimentellere Herangehensweise und wurde in weiten Teilen von mir im Alleingang verfasst. Mein Gedanke war: Warum werden Festivalberichte eigentlich fast immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut? Es geht von Band zu Band. Im meist nüchternen, natürlich auch teils nett beschreibenden Stil, aber doch teils eben ohne die gewisse Lässigkeit. Der aktuelle Bericht bietet einen etwas anderen Ansatz. Das Programm der Bühnen wurde nicht strikt voneinander getrennt, sondern findet in einem gemeinsamen Fließtext zusammen. Benne nannte das Ergebnis skeptisch "etwas flapsig", aber ich finde den Ansatz gut. Mir selbst macht der Bericht - bei aller ab und an vorhandener Bescheidenheit - sehr viel mehr Spaß beim Lesen als das trockene Programm-Runterbeten aller anderen Online-Magazine. Und dem Wacken (oder auch jeder anderen Veranstaltung) schadet eine solche Herangehensweise auf keinen Fall. Im Gegenteil: Ich glaube dass das "flapsige" Beschreiben des Ölwrestling-Kampfes eher im Kopf hängen bleibt als der tausendste Bericht, der von A bis Z die Setlist einer spielenden Band herunterbetet. Und letztlich ist es das was zählt.

Entsprechend haben wir ja auch in der vorherigen Ausgabe mit dem Bericht vom Metalcamp experimentiert. Wer es schließlich doch etwas klassischer bei der Festival-Berichterstattung mag, wird am ehesten bei den ebenfalls coolen Berichten vom SummerBreeze und PartySan fündig. Sind also alle zufrieden? Gut. Weiter geht's.

Zumal noch drei weitere coole Interviews warten. Eines mit Saltatio Mortis, die ich persönlich hochgradig unspannend hinsichtlich aller Belange finde, die es aber Miri enorm angetan haben. Mal schauen, ob auch Alea (wie Tobi Sammet vor ihm) den Haarausfall-mindert-nicht-die-Beliebtheit-Test bestehen wird. Eine Antwort werden wir leider erst in ein paar Jahren erwarten können. Miri ist allerdings nicht die einzige, die ein Idol interviewte. Auch David stellte sich bereits Monate vor Erscheinen der Platte von ICS Vortex als dessen Interviewpartner bereit. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, dass der ex-Dimmu-Borgir-Musiker demnächst ein Soloalbum aufnehmen wird. Aber David ist bei seinen Helden eben immer hervorragend informiert und schwor schon im Vorfeld, dass die Platte ein "Killer-Album" bei uns werden würde - er sollte Recht behalten, wie wir seit Erscheinen der Ausgabe wissen.

Ein weiteres Interview fand für unsere letzten Monat neu gestartete Artikelserie "Debütastisch!" statt. Nachdem Djerv den Anfang gemacht hatten, traf sich David, jahrelanger Fan von Type O Negative, diesen Monat mit A Pale Horse Named Death im Biergarten des Kölner Undergrounds. Apropos Artikelserie: "Mein bestes Stück" haben wir vorerst auf Eis gelegt. Die Akquise neuer Personen, die wir mit ihrer Geschichte vorstellen konnten, war in jedem Monat ein sehr träger, zäher Prozess gewesen. Diesen Monat fanden wir abermals niemanden und waren es leid, erneut nur den eigenen Freundeskreis zu durchstöbern. Vielleicht reaktivieren wir die Serie in der Zukunft noch einmal, vorerst wird jedoch "Debütastisch!" alleine die Stellung halten.

Die Auswahl des Kreuzfeuers stellte mich diesen Monat abermals vor eine Herausforderung. Bereits im vorherigen Monat machte sich die Sommerflaute etwas bemerkbar. Diesmal war die Auswahl nicht einfacher. Letztlich ließen sich aber neun Platten finden, die populär, wichtig und stilistisch verteilt genug waren, um ein ordentliches Kreuzfeuer aufzubauen. Dass Edguy dabei soweit oben landeten, überraschte mich. Allerdings passt das: Denn die Platte überraschte mich auch sonst. Ich hatte die Band nach "Hellfire Club" abgeschrieben. Das war ein richtig gutes Album. Danach ging es für meinen Geschmack aber steil bergab. "Superheroes" und tropische Partysongs, keine Ahnung wieso, aber das fand ich doch etwas zu albern. Umso schöner finde ich, dass die Band jetzt ein Album abliefert, das facettenreich, nie banal erscheint. Die zweite Hälfte ist vielleicht an manchen Stellen etwas zu soft, aber im Groben und Ganzen ist die Platte das beste Edguy-Album seit "Hellfire Club". Und wenn selbst David 5 Punkte für ein Edguy-Album vergibt, kommt das quasi einer Erhebung in den Adelsstand gleich.

Die großen Verlierer waren hingegen Kittie. Ein Album voll mit austauschbaren New-Metal-Songs, die sich in Zeiten unzähliger Metal-Musikerinnen nicht mehr nur auf den Frauenbonus berufen können, sondern losgelöst vom Geschlecht überzeugen müssen. Daran scheiterten Kittie diesmal. Mal sehen, ob die Katzen schon alle neun Leben aufgebraucht haben. Zumindest passiv haben sie in der Redaktion aber für Freudentränen gesorgt: Als Jenny und ich beim Redigieren Elvis' Kommentar zur Scheibe lasen, lachten wir wirklich Tränen:

Hello Kittie! Krass, dass es euch immer noch gibt. Ehrlich gesagt habt ihr da echt nen tollen Stil kreiert. Besonders der Gesang, der zwischen Schnurren und Fauchen wechselt, ist einmalig. Leider bin ich ein Hund und ihr Katzen seid nix für mich. Gruß, Bellvis

Kommentare (0) Trackbacks (0)

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.


Kommentar schreiben


Noch keine Trackbacks.